Begrifflichkeiten


Hochsensibilität vs. Hochsensitivität  -  welcher Begriff ist denn nun richtig?

 

Beide Begriffe sind richtig und bedeuten letztendlich dasselbe. Es ist nur eine Geschmacksache, welcher der beiden Begriffe auf jemanden ,sympathischer‘ wirkt.

 

Geht man vom Ursprung der Begrifflichkeiten aus, erklärt es sich von selbst, wie es im deutschsprachigen Raum dazu gekommen ist, dass sowohl Hochsensitivität als auch Hochsensibilität als Fachbegriffe verwendet werden und so für Verwirrungen sorgen.

 

Elaine Aron, die Pionierin auf diesem Gebiet, bezeichnete zum ersten Mal diese Menschen mit "High sensitive Person" und das Konstrukt  "sensory processing sensitivity". Schlägt man in den englischen Lexika nach, stellt man fest, dass die Bedeutung von sensibility und sensitivity identisch sind und eine Eigenschaft darstellen, die positiv gewertet wird. Übersetzt man diese beiden Begriffe in die deutsche Sprache, ist kein Unterschied festzustellen.

 

Ebenso ist auffällig, dass bei der Übersetzung des Begriffes von Aron "High sensitive Person", kurz HSP, nur das Wort >Person< nicht wörtlich, sondern in >Mensch< übersetzt wurde. Das >high sensitive< ist wörtlich in >hochsensitiv< übersetzt worden. Daraus ergibt sich im deutschsprachigen Raum der “Hochsensitive Mensch“, kurz HSM.

 

Ich persönlich arbeite mit dem Begriff der Hochsensivität, da mir in der letzten Zeit vermehrt aufgefallen ist, dass bei der Verwendung des Wortes ‚Hochsensibilität‘ ich meist belächelt wurde. Ständig geriet ich in Erklärungsnot und hatte das Gefühl, etwas richtig stellen zu müssen. Ich hatte mich gefragt, warum das so ist und bin zu folgender Erkenntnis gekommen:

 

Das Wort >Hochsensibilität< hat in der breiten Öffentlichkeit, zumindest in Deutschland, eine negative Besetzung und wird häufig ausschließlich auf Emotionen fokussiert. Und diese Einstellung bzw. Wahrnehmung ist absolut nicht richtig, gar ungerecht.

 

Auffällig waren die Reaktionen, wenn ich das Wort Hochsensitivität verwendete. Plötzlich hörte man mir aufmerksam(er) zu und es entwickelte sich eine gewisse Neugier zu diesem Thema. Der Grund liegt in der mangelnden Verwendung des Wortes >sensitiv< in der Öffentlichkeit und er wird dadurch nicht bewertet.

Ebenso wird in den Medien die “Hochsensibilität“ eher mit Emotionen und damit verbunden mit “Leiden“ gleichgesetzt. Überschriften wie “Das unerträgliche Hämmern des Uhrzeigers“ oder “Ein Leben ohne Filter“ verstärken diese Annahme, diese Menschen leiden unter ihren Emotionen. Er wird schnell der Verdacht geschöpft, es könnte sich um eine Krankheit handeln.

 

Dies ist aber so nicht richtig, dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Natürlich leiden wir etwas mehr als Nicht-Sensitive, weil wir oft bemüht sind, die Menschen in unserem Umfeld zu verstehen, und das geht nicht ohne Nachempfinden, ohne Emotionen. Aber die Erklärung für die Empfindlichkeit liegt in der Reizüberflutung und dessen Verarbeitung, nicht in Emotionen. Hochsensitive Menschen sind mehr als nur Emotionen, ja sie sind wahre Wahrnehmungsmeister.

 

< Zurück